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Handwerker wurde kurzfristig zum Unternehmer 100 Jahre Grabmale Löbus

Steinmetz und Steinbildhauer Rene Löbus führt in vierter Generation einen Betrieb. Auf das Leben als Unternehmer konnte er sich kaum vorbereiten. Kreishandwerksmeister Jürgen Mahl überreichte die Urkunde am 1. April.

Den Herbst 2004 werden Heike und Rene Löbus nie vergessen. Sie mit einem Mädchen hochschwanger, er bekam von seinem Vater Achim gesagt, dass er ab 2005 den Handwerksbetrieb übernimmt. Das Leben der beiden wurde damals völlig auf den Kopf gestellt. Die Tochter ist mittlerweile erwachsen und studiert in den Vereinigten Staaten. Das Ehepaar wiederum führt in vierter Generation das Unternehmen.



In die Fußstapfen

Am 1. April 1925 wurde der Betrieb von Johann Friedrich Ernst Löbus in Oschätzchen, einem Ortsteil von Bad Liebenwerda (Elbe-Elster), gegründet. Steinmetz und Steinbildhauer Rene Löbus führt das Erbe fort. »Das Unternehmen war durchgehend in Familienbesitz«, sagt der 52-Jährige. Die Auftragslage aktuell sei gut. Wenn es das Wetter zulässt, muss er etliche Grabanlagen errichten und alte abreißen. Dafür arbeitet er mit Friedhofsverwaltungen in Mühlberg, Elsterwerda und Bad Liebenwerda zusammen.

Rene Löbus ist das jüngste von vier Kindern. Seine Geschwister haben einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Bei ihm war mehr oder weniger klar, dass er in die Fußstapfen tritt. Dass er aber so kurzfristig den Betrieb übernehmen soll, war ihm nicht bewusst.



Kein Selbstläufer

»Das erste Jahr war schwer. Meine Frau mit unserem Baby hielt mir den Rücken frei. Und ich musste im Unternehmen einige Dinge in die richtigen Bahnen lenken«, erinnert sich Rene Löbus. »Weihnachten 2005 konnten wir dann sagen: Wir haben es geschafft.« Das Leben als Unternehmer ist auch heute kein Selbstläufer. Die Rahmenbedingungen sind bescheiden. Immer neue Verordnungen und Vorgaben sowie die hohen Steuern und Abgaben belasten das regionale Handwerk.



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Bei Rene Löbus sind es die Material- und Stromkosten sowie die veränderte Friedhofskultur. Unlängst war eine routinemäßige Arbeitsschutzkontrolle auf seinem Gelände. »In dem Bereich muss ich viel dokumentieren und nachweisen, obwohl ich nur einen Mitarbeiter habe und der Betrieb seit je her unfallfrei läuft«, sagt der Handwerker. Die Laune lassen er und seine Frau sich deshalb nicht verderben. Die beiden haben einen feinen Humor und einen klaren Lebensplan.

Der Steinmetz und Steinbildhauer geht individuell auf seine Kunden ein und erfüllt deren Wünsche. Dabei braucht er auch ein gewisses Einfühlungsvermögen, da die Menschen in einer besonderen Lebenslage zu ihm kommen. Zu seinen Hauptarbeiten zählen die Fertigung von Grabmalen und Grabanlagen in großer Auswahl und Materialvielfalt sowie das Beschriften in verschiedenen Materialien und Patinierungen. Hinzu kommen der Abriss und die Entsorgung von alten Grabanlagen.

»Früher haben wir auch im Bausektor gearbeitet und Fensterbänke, Treppen und so weiter hergestellt. Von diesem Geschäftsfeld haben wir uns wieder getrennt. Dafür hätten wie in großem Stil in unseren Maschinenpark investieren müssen. Da sind andere besser aufgestellt«, erklärt Rene Löbus.

Zwölf Steinmetz- und Steinbildhauerbetriebe gibt es im Elbe-Elster-Kreis. Das ist der Spitzenwert aller Landkreise in Südbrandenburg. Mit Rene Löbus wird die 100-jährige Tradition des Betriebes enden. »Unsere Tochter macht ihren eigenen Weg. Sie wird sicher nicht zurückkommen.« Ein externer Nachfolger ist nicht in Sicht. Aber: Die Welt dreht sich schnell. Wer weiß, was noch so kommt.



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